4. Veranstaltung des Arbeitskreises Zwangsarbeit gedenken zur Geschichte und Erinnerung von NS-Zwangsarbeit in Ludwigsfelde und Genshagen
Am Samstag, dem 06.12.2025, lud der „Arbeitskreis Zwangsarbeit gedenken“ zu Vortrag und Diskussion in das Klubkino im Klubhaus nach Ludwigsfelde ein. Thema war die Geschichte und Erinnerung von NS-Zwangsarbeit in Ludwigsfelde und Genshagen. Es war mittlerweile seine vierte Veranstaltung, seit er sich Anfang des Jahres gegründet hatte. Er ging damals mit einem Gedenkspaziergang zum ehemaligen Zwangsarbeiter*innen-Lager des damaligen Großmotorenwerks der Daimler-Benz AG erstmals am 27. Januar, dem internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, in die Öffentlichkeit.
Der Verein hat sich drei Arbeitsschwerpunkte gesetzt:
- Forschung und Aufarbeitung der NS-Zwangsarbeit in Ludwigsfelde und Genshagen
- Sichtbarmachen der historischen Orte und Zusammenhänge, sowie ein zeitgemäßes Gedenken an die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Ludwigsfelde zu etablieren
- Bildungsarbeit für verschiedene Zielgruppen (u. a. Schulen und Ausbildungsbetriebe)
Nach einer Begrüßung durch Bürgermeister Andreas Igel, stand am Samstag ein Überblick über die Geschichte von NS-Zwangsarbeit in Ludwigsfelde und Genshagen, sowie die bislang stattgefundene Erinnerungsarbeit auf dem Plan.
Stefan Gerbing, gebürtiger Ludwigsfelder, der zu Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik arbeitet, begann mit der Darstellung der Entwicklung des umfangreichen Lagersystems und seiner Insassen. Schnell wurde klar, wie zahlreich die Orte in der Stadt sind, die mit dem Leben, der Arbeit und dem Tod der verschiedenen Gruppen von Zwangsarbeiter:innen in Verbindung stehen, spätestens ab 1936, als Ludwigsfelde mit dem neu errichteten Daimler-Benz-Flugzeugmotorenwerk zum größten Luftrüstungs-Standort in Deutschland wurde. Er schilderte anschaulich, dass es, wenn es um die Architektur des Nationalsozialismus geht, die Baracke das eigentliche Bauwerk ist, das für diese Zeit symptomatisch steht. In ihr mussten bis zu 100 Personen zusammengedrängt leben, im Winter bei Kälte, im Sommer bei Hitze und bei Luftangriffen schutzlos ausgeliefert. Und er zeigte exemplarisch anhand von drei unterschiedlichen Biografien der „Frauen von Genshagen“ die Schicksale der Menschen auf, die betroffen waren.
Stefan Gerbing gliederte die Entwicklung der Geschichte von NS-Zwangsarbeit in Ludwigsfelde und Genshagen in 4 Phasen, die in der Dokumentation des Abends auf der neuen Website des Arbeitskreises ( https://zwangsarbeit-ludwigsfelde.de/ ) zu finden sein werden.
Marlene Pardeller, eine freie Filmschaffende, ging im Anschluss auf die nach 1945 geleistete Erinnerungsarbeit ein. Dabei wurden auch einige Ansatzpunkte deutlich, an denen Erinnerungsarbeit heute wieder ansetzen kann. So erwähnte sie die Publikation von Gerhard Birk aus dem Jahr 1986, die Trauerfeier zum Gedenken an die ermordeten Frauen aus dem Daimler-Benz-Lager im Jahr 1995, sowie das Pflanzen der Rosen der Auferstehung, durch die französische Häftlingsvereinigung „Amicale de Ravensbrück“ und die darauf folgende Ausstellung im Stadt- und Technikmuseum Ludwigsfelde im Jahr 2017.
Das Interesse an der Veranstaltung, die mit ca. 60 Personen sehr gut besucht war, war groß. In der anschließenden Diskussion der Anwesenden wurden verschiedene Aspekte der lokalen Geschichtsarbeit u. a. durch den Ludwigsfelder Geschichtsverein e. V. und Christian Tepper vom Luftfahrt und Entwicklungsgeschichte Ludwigsfelde e. V. ergänzt. Auch Daniel Heimbach vom Stadt- und Technikmuseum Ludwigsfelde war anwesend, sowie Vertreter des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit aus Berlin.
Vor allem Bürgermeister Andreas Igel und Monika von der Lippe, die Leiterin des Fachbereichs II (Soziales, Familien, Sport und Kultur), zeigten als Vertreter der Stadt ihr Interesse daran, dass sich Ludwigsfelde seiner Geschichte und Schuld stellen will. So plant Ludwigsfelde neue Wege der Erinnerungskultur und des Gedenkens, indem es die Geschichte der Zwangsarbeit sichtbar machen will, und hat im Sozial-, Schul-, Kultur- und Sportausschuss der Stadt bereits einen Grundsatzbeschluss dazu erwirkt.
Alles in allem eine sehr gelungene Veranstaltung, die aufgezeigt hat, dass bei einer Zusammenarbeit aller anwesenden Parteien die besten Voraussetzungen dafür gegeben sind, dem Gedenken einen neuen Stellenwert in Ludwigsfelde zu geben. Denn wie schon 2017 Ines Krause, die damalige Leiterin des Stadt- und Technikmuseums Ludwigsfelde, zur damaligen Ausstellung „Die Rosen von Ravensbrück“ sagte: „Nur wenn man um die Geschichte weiß, kann man das Heute verändern.“
Der „Arbeitskreis Zwangsarbeit gedenken“ kündigte bereits ein nächstes offenes Treffen aller Interessierten am 17. Januar 2026 an, bei dem es vor allem um mögliche Ansatzpunkte gehen soll, ein zeitgemäßes Gedenken an die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Ludwigsfelde zu etablieren. Der Ort wird noch bekanntgegeben.